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Bergwandertour in den Alpen: 2 Tage Jubiläumsweg 2000HM, 32km, 2 Tage

Jubiläumsweg Tirol

  • Bewertung: ★★★★½
  • Streckendetails: Tag 1: 1950HM, 25km, ca. 10 Std. ohne Pause, Tag 2 (Abstieg): 7km, ca. 2,5h ohne Pause. Höhenprofil 1, Höhenprofil 2 GPS-Track
  • Schwierigkeitsgrad: T3. Von einfachen Höhenwegen bis zu seilgesicherten Passagen die Trittsicherheit und Schwindelfreiheit voraussetzen. Sehr gute Kondition.
  • Tourcharakter: Anstrengende Bergwanderung mit alpinem Charakter. Sehr schöne Ausblicke und tolle Einkehrmöglichkeiten bei der Landsberger Hütte und abschließend im Prinz Luitpold Haus.
  • Ausgangspunkt: Parkplatz in Grähn
  • Karte: Allgäuer Alpen 1:50000, ISBN 3-86038-011-7
  • Einkehr: Landsberger Hüte, Prinz Luitpold Haus
  • Abkürzungsmöglichkeiten: Abstieg Landsberger Hütte oder zwischen Landsberger und Prinz Luitpoldhaus ausgeschilderter Notausstieg.
  • Übernachtungsmöglichkeiten: Tannheimer Tal Camping & Pensionen, Landsberger Hüte, Prinz Luitpold Haus
  • Tipps: Nicht zu spät in Tannheim anreisen, da das Einchecken in Pensionen nur bis 21:00/22:00 Uhr möglich ist. Übernachtung im Luitpold Haus ankündigen, bei Gruppen ist eine vorherige Anmeldung Pflicht! Für ausreichend Wasser sorgen, da nach Landsberger Hütte keine Einkehr oder Quellen.
  • Hunde tauglich: Durch Seile gesicherte (Steil)passagen machen die Bergwanderung Hunde untauglich.
  • MTB tauglich: Durch Seile gesicherte (Steil)passagen machen die Bergwanderung MTB untauglich.
  • Weiteres: Tag 1 ist in 2 Etappen mit Übernachtung in der Landsberger Hütte realisierbar
  • Datum der Wanderung: 03.07.2010 – 04.07.2010

Freitag Nachmittag, Feierabend. Equipment bereits zum Großteil vorbereitet. Die letzten 10% dauerten auf der Zielgeraden doch länger als erwartet. Ankunft in Tannheim 21:30 Uhr.

Auf den Zeltplätzen in Tannheim war eine Anmeldung nach 21:00 Uhr nicht mehr möglich. “Handschlag Anmeldung” beim Wirt nebenan ist zwar kein Problem, eine ordentliche Anmeldung am nächsten Morgen ab 8:30 Uhr bleibt einem jedoch nicht erspart. Tourstart geplant um 7:00 Uhr. Zelten demnach unmöglich.

OK – Pension. Aktuell 22:00 Uhr. In Tannheim ist es bereits sehr sehr still. Es ist dunkel. Zu dieser Uhrzeit werden bei uns noch die Blumen gegossen, im Allgäu hat der Fuchs dem Hasen bereits gut´ Nacht gesagt. Während die meisten Pensionen bereits schlummerten, fanden wir neben teuren Hotelzimmern nur noch überdimensionale Ferienwohungen. Nichts für uns.

Schön, das man mit einem Kombi so flexibel ist und man mit einer zurück geklappten Rückbank ein 1,80m auf 1,30m Bett immer mit dabei hat :) Nach dem aufreibenden Elfmeterschießen zwischen Gahna und Uruguay in einer Dorfkneipe (wir waren die letzten Gäste) verbrachten wir eine überraschend friedliche Nacht auf einem Parplatz in Grähn.

Klamotten an, Zähne putzen mit stillem Wasser, Sonnencreme verteilt, los gehts. Direkt in Grähn gibt es kostenlose Parkplätze von denen es Richtung Haldensee zum Einstieg der Tour geht. Wenn man sich rechts Richtung Berg hält ist es nicht weit bis zur ersten Beschilderung zur ca. 4 Stunden entfernten Landsberger Hütte. Nach Edenbach und Strinden hat man die Möglichkeit die erste Etappe mit Aufsteigen zur Stindenscharte oder Sulzspitze (2084) zu erweitern. Wer den kompletten Weg zum Prinz Luitpold Haus an einem Tag zurücklegen möchte, dem sei der direkte Weg zur ersten Einkehr empfohlen.

Auf der Landsberger Hütte angekommen liegt das Frühstück bereits über 4 Stunden zurück, ein zünftiges Mittagessen hat demnach genug Platz und ist aufgrund den folgenden 6 Stunden auf Weg 421 auch wärmstens zu empfehlen. Nichts gibt so viel Energie wie eine warme Mahlzeit. Man sollte jedoch nicht vergessen genügend “Kleingeld” dabei zu haben. Besonderst die Landsberger Hütte langt bez. Preisen ordentlich zu. Linsensuppe, Speckknödel mit Kraut und zum Abschluss einen leckeren Apfeldstrudel haben sich dennoch gelohnt.

Frisch gestärkt geht es auf den anspruchsvolleren und schöneren Teil der Tour. Richtung Luitpold Haus sollte es laut Beschilderung 5 Stunden benötigen… …nach ca. 4 Stunden werden ingesamt 6 Stunden angegeben, sprich die Zeitangabe an der Landsberer Hütte ist falsch (wird durch 6h Schild bei Luitpoldhaus bestätigt). Bergwanderer sollten sich demnach auf weitere 6, anstatt 5 Stunden einstellen. An flüssigem Proviant sollte man hier nicht sparen, denn eine weitere Einkehr gibt es nicht und Wasserquellen sind ebenso sehr rar. Leider konnten wir uns aufgrund des Verlusts von einer Stunde die 2. Halbszeit des WM Spiels Deutschland gegen Argentinien abschminken. Mit etwas Frust im Bauch geht es abwechslungsreich auf Bergpfaden vorbei an seilgesicherten Passagen, schroffen Felsen und grünen bewachsenen Parts vorbei an der Lahnerscharte (Umweg über Schrecksee möglich) Richtung Bockscharte. Nach einem kleineren, ebenfalls seilgesicherten Gipfel, wird ein nahes Ziel erwartet. Man sollte sich nicht zu früh freuen, denn auf die Bockscharte geht es über Geröll (je nach Jahreszeit teilweise Schneefelder) und ohne erkennbaren Weg nach oben. Der letzte Aufsteig bis zum Luitpold Haus hat es noch mal in sich. Weit oben erkennt man Sicherungsseile und Felstreppen – bis dahin muss man allerdings ein zum Teil “sehr aktives” Geröllfeld kreuzen. An den Sicherungsseilen angekommen erkennt man rechts am Berg eine Spur die zu einer anderen Jahreszeit evtl. als Weg zu lokalisieren ist. Demnach vor dem Anstieg rechts am Berg halten. Unsere “Gratwanderung” zwischen Schneefeld und Geröll war jedenfalls äußerst knifflig. Kurz vor dem Erreichen der Bockscharte, kreuzt man interessanterweise die Grenze von Österreich nach Deutschland. Die nächste Einkehr liegt demnach in einem anderen Land….

Der Abstieg zum bereits sichtbaren Luitpold Haus dauert ca. 50 Minuten. Da wir so gut wie auf der gesamten Tour keinen Empfang auf dem Handy hatten, erreichte uns keinerlei Info über Ereignisse zum Deutschland WM Spiel. Ehrlich gesagt hatten wir uns nicht in einer Siegerposition gegen Argeninien gesehen… …beim Abstieg erreichte uns nach einer Weile ein Raunen von der Prinz Luitpold Hütte ausgehend… …weiter…. ..Raunen…. weiter…. ….Jubel erkennbar… …wir werden wohl nicht…. ….Jubel… ….definitiv: Jubel! Jubel! Jubel! Unten angekommen trauten wir unseren Ohren nicht, 4:0 :) Da durfte es dann gerne ein Weizen mehr sein zu bestellten Spaghetti Bologese. Ein toller Tag.

Das Prinz Luitpold Haus ist die perfekte Einkehr für Bergwanderer, Kletterer & Co. Unter gleichgesinnten kann man zu fairen Preisen inmitten von etlichenTourmöglichkeiten genießen und entspannen. Unsere erste Nacht in einem Bettenlager war einwandfrei. Sauber, gemütlich und sogar ruhig – was will man mehr. Besten Dank und unsere wärmste Empfehlung geht an das Team der Hütte.

Von der Hütte aus bietet sich am nächsten Tag ein Aufstieg zum Hochvogel an. Auch weitere Touren zu ausgedehnten Klettersteigen sind möglich. Leider hat uns das Wetter ein Schnippchen geschlagen, so dass ab Mittag Regen zu erwarten war.

Demnach Abstieg zum Giebelhaus in ca. 3 Stunden. Der Bus fährt ab 9:35 Uhr bis 18:10 Uhr stündlich (außer 12 Uhr, da ist wohl Mittagspause) nach Hinterstein. Nach Tannheim zurück muss man ingesamt drei mal umsteigen, wobei die Busse von der Fahrzeit nicht komlett auf Tannheim abgestimmt sind. Man sollte demnach mehrere Stunden für die Heimfahrt einkalkulieren. Beim letzten Abschnitt haben wir auf eine Wartezeit von 2 Stunden verzichtet und mit anderen Wanderern für ein Taxi nach Tannheim zusammen gelegt.

Der Jubiläumsweg war eine unserer schönsten Touren bisher. Mit viel Kondition und etwas Erfahrung im Bergwandern kann man hier zum Teil alpn anmutende Erlebnisse unter 3000 erleben. Garniert mit zwei tollen Einkehrmöglichkeiten, dem wirklich hervor zu hebenden Prinz Luitpold Haus und Optionen zu weiteren Gipfeln und Klettersteigen bleibt kaum ein Wunsch offen. Wir werden sicher nochmal zurückkehren und mehr Tage, Kilometer und Höhe einplanen. Wie immer mit Hoffung auf gutes Wetter :)

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